Anders Reisen – Tipps für einen Urlaub ohne Flugzeug


Gastbeitrag / Donnerstag, März 15th, 2018

Für viele gehört es zum Urlaub dazu: Das Fliegen. „Ab in den Süden“ denken sich einige. Allerdings hat diese Art von Urlaub einen Haken, denn: Das Fliegen ist schlecht für unser Klima. Die Menge an Treibhausgasen, welche insbesondere auch bei Kurzstreckenflügen ausgestoßen wird, ist durch andere Einsparungen an Kohlenstoffdioxid (CO2) in unserem alltäglichen Konsum nicht zu kompensieren (siehe diesen Beitrag im Transform Magazin). Tatsächlich ist Fliegen eine große Quelle von Treibhausgasen, nach Schätzungen trägt Fliegen zu ca. fünf Prozent zur globalen Erwärmung bei.

Vielleicht habt Ihr gesehen, dass man Kompensationszahlungen für den Ausstoß von Treibhausgasen leisten kann. Wenn man sich mit Fragen des Klimawandels beschäftigt, dann erkennt man allerdings schnell, dass es entscheidend ist, dass die Treibhausgase gar nicht erst in die Atmosphäre gelangen. Stattdessen stelle ich Alternativen zum Fliegen vor – selbst erprobt und für gut befunden.

Zunächst soll’s jedoch um die Frage gehen: Warum steigen Menschen überhaupt in den Flieger?

Fliegen ist oft günstiger als Bus und Bahn  

Ja, für das eigene Portemonnaie ist Fliegen in einigen Fällen günstiger. Als ich im Sommer 2017 ohne Flieger nach Irland gereist bin, haben mich die Preise einer Fährfahrt überrascht. Das Dreifache hat eine Fahrt im Vergleich zum Flug gekostet. Trotz der gestiegen Aufmerksamkeit für die klimaschädlichen Auswirkungen ist Fliegen billig – zu billig. Die günstigen Preise für uns als Verbraucher spiegeln nicht die Kosten wieder, die für die Gesellschaft durch den Klimawandel entstehen. Für die Auswirkungen, zu denen zum Beispiel extreme Wetterereignisse gehören, wird die Gesellschaft aufkommen müssen. Auf der ökologischen Ebene werden Prozesse, die durch den Klimawandel angestoßen werden, unumkehrbar sein. Das ist dramatisch, denn eine zweite Erde lässt sich von keinem „Geld der Welt“ bezahlen.

Fliegen geht schnell

Eines der Hauptargumente für das Fliegen ist die Zeitersparnis. Zwischen Arbeit, Hobby und Verpflichtungen nochmal schnell eine Freundin im Erasmus-Semester besuchen oder für den Junggeselleninnenabschied nach Las Vegas – große Entfernungen sind deutlich schneller mit dem Flugzeug zu bewältigen. Früher wäre das unvorstellbar gewesen und die Möglichkeit schnell woanders hinzukommen kann für jeden von uns persönlich ein echter Segen sein!  Der Kosten- und Zeitersparnis steht gegenüber, dass wir durch die Flugreisen massiv zum Klimawandel beitragen. Wir sind nicht für alles verantwortlich, was in dieser Welt schiefläuft (weiter zu einem Blogbeitrag, der sich dem Thema „verantwortliches Handeln im Alltag“ widmet). Bei großen Fragen müssen wir uns jedoch unserer Verantwortung bewusst sein und stellen. Das heißt in diesem Fall: die Realität, dass Flugreisen massiv zu der Erzeugung von Treibhausgasen beitragen anzuerkennen sowie jede unserer Entscheidungen bezüglich des Fliegens abzuwägen. Das muss – wie Ihr im Folgenden lesen werdet – aber gar nicht unbedingt schwerfallen!

Hier ein paar Tipps für ein klimafreundlicheres Reisen:

  1. So nah und doch so fern!

Beim Kanu fahren in Mecklenburg-Vorpommern neue Energie tanken, den kulturellen Austausch im Dreiländerdreieck genießen – das wichtigste beim Urlaub ist die Erholung. Diese ist nicht abhängig von der Entfernung zum Wohnort. Mal richtig abschalten können, die Seele baumeln lassen – auch ganz nah kann man sich ganz fern fühlen.

  1. Mehr Zeit in alternativen Verkehrsmitteln

Rein in die Bahn und losgehst – ohne lästige Wartezeiten, Security Checks und Unterbrechungen. Dazu noch ein gutes Buch oder ein Gespräch mit den Mitreisenden; es gibt viele Möglichkeiten wie sechs Stunden Bahnfahrt schnell vergehen. Auch im Auto vergeht die Zeit in einer Mitfahrgelegenheit wie im Flug. Kennt ihr schon die Mitfahrzentralen blablacar und MiFaZ?

  1. Wie weit kann ‚Mensch‘ gehen?

Mal komplett auf den Verkehr verzichten und zu den Ursprüngen zurück: Gehen. Beim Wandern genießt man die Natur und es befreit den Kopf. Auch eine Tour mit dem Fahrrad kann sehr erholsam sein und es lassen sich dabei bequem längere Strecken zurücklegen.

  1. Die Liebsten auf halber Strecke treffen…

Ist die Fernbeziehung nach London nicht auszuhalten und man steht schon mit einem Bein im Flieger – warum nicht in der Mitte treffen? Für jeden ein paar Stunden mit der Bahn und ein Wochenende in einer anderen Stadt verbringen – das ist doch ein romantischer Kompromiss.

Nach diesen praktischen Hinweisen noch ein grundsätzlicher Gedanke: Den Urlaub als Priorität wahrzunehmen kann Wunder bewirken. Heutzutage sieht man sich mit allen möglichen Anforderungen konfrontiert. Es wird versucht, nichts zu vernachlässigen, weder den Job oder die Freizeit, noch die Familie oder die Freunde. Besuche, Urlaube oder auch berufliche Veranstaltungen können legitime Gründe darstellen, um zu reisen. Allerdings sind die Ressourcen begrenzt. Das gilt für die Ressourcen von jedem einzelnen von uns, als auch für die Ressourcen der Erde. Wenn wir diese Rahmenbedingungen akzeptieren, wird klar, dass wir Prioritäten setzen müssen. Vielleicht können wir weniger Wochenendtrips in die Ferne unternehmen. Und wer sich im Sommer zwei Wochen Zeit nimmt kommt auch mit dem Zug nach Südeuropa und sieht unterwegs viel mehr. Auch kann man die Strecke aufteilen und entdeckt bei den Zwischenstopps vielleicht Unerwartetes. Anders, langsamer und bewusster reisen – kann das genauso erfüllend sein wie stete Trips zu weitentfernten Orten? Probiert’s doch mal aus!

 

Autorin: Ruth Döpker hat an der Universität Münster European Public Administration im Bachelor studiert. Ihr letzter Urlaub ging mit Freunden und Freundinnen nach Göteborg – da kann man auch gut mit der Bahn hinfahren.

 

Zum Weiterlesen:

Wie viele und welche Flugzeuge aktuell unterwegs sind, lässt sich hier beobachten.

Wer sich mit Forderungen zur Reformierung des Luftverkehrs in Deutschland beschäftigen möchte findet zum Beispiel im NGO Luftverkehrskonzept Anregungen.

 

Bildnachweis: Pixabay