Sommer ohne Summen. Vom Bienenwohl und der Politik für die Bienen.

Es summt viel weniger in unseren Gärten, auf unseren Wiesen und Balkonen. Genauer gesagt verlieren europäische Länder im Durschnitt 20% ihres Bienenbestandes pro Jahr (Greenpeace). Das große Bienensterben schafft es immer wieder in die Schlagzeilen zuletzt mit dem von der EU verabschiedeten Pestizidverbot (Tagesschau). Es ist folglich kein Geheimnis mehr, dass es in der natürlichen Geräuschkulisse an etwas fehlt. Auch in der Honigproduktion macht sich der Abwärtstrend bemerkbar – mehr oder weniger: Honig ist natürlich weiterhin in den Supermarktregalen vorzufinden, aber nur 20% des Honigbedarfs in Deutschland können tatsächlich hierzulande produziert werden, die restlichen 80% sind importiert (Nearbees.de). Obwohl Imkervereine einen Zuwachs verzeichnen und durch den Trend des Urban Beekeeping immer mehr Bienen die Dächer von Paris, Berlin und anderen Großstädten besummen, wird es auf dem Land immer stiller. Beim Urban Beekeeping können Privatpersonen zu Hobbyimker*innen werden und sich Bienenstöcke auf ihren Dächern halten. So kehrt die Honigbienen zwar wieder in die Stadt zurück, das unkontrollierte Imkern vertreibt oder gefährdet jedoch womöglich die Wildbienen, so eine Studie der Cambridge University (The Telegraph). Längst geht es nicht nur um das „Honigproblem“, sondern um die essentielle Rolle, die Bienen für unser Ökosystem spielen.

Bienen sind mehr als nur Honigproduzenten

Oftmals wird von „den Bienen“ gesprochen dabei gibt es weltweit neun verschiedene Honigbienenarten und allein europaweit 25000 Wildbienenarten davon 560 in Deutschland (beecareful). In der politischen Debatte um das Bienensterben wird zumeist nur die Honigbiene in Betracht gezogen, da sie den Menschen rein volkswirtschaftlich den meisten Nutzen bringt. Dabei die ist die Wildbiene diejenige, die effektiver bestäubt, aber dabei weniger Honig produziert (Vebu). Ein Drittel unserer Nahrungsmittel würde ohne die Bestäubungsleistung der Bienen nicht existieren. Jene essentielle Rolle der Bienen für Mensch und Umwelt beleuchtet die Dokumentation „More than honey“. Als wichtigstes Nutztier nach Schwein und Kuh gilt die Biene u.a., weil sie bis zu 200 Blüten pro Tag bestäubt – wer soll diese Aufgabe übernehmen, wenn das Bienensterben weiter voranschreitet? Wie können wir das Bienensterben stoppen? Dafür müssen wir zunächst seine Ursachen in den Blick nehmen…

Bienensterben: Ein Problem mit vielen Ursachen

Es gibt nicht den einen Grund für das Bienensterben, sondern ein Zusammenwirken von verschiedenen Faktoren. So wurde die Varroamilbe in den 80er Jahren von Asien nach Europa eingeschleppt. Bis heute gibt es kein effektives Bekämpfungsmittel des Schädlings, daher werden häufig Antibiotika eingesetzt oder aber die Felder sind ohnehin mit Antibiotika belastet. Ein Blick auf die heimischen Äcker zeigt außerdem: das Nahrungsangebot für die Bienen ist einseitig geworden. Die industrielle Landwirtschaft und deren Monokulturen reduzieren die Pflanzenvielfalt und somit das Nahrungsangebot der Bienen.

Den Bienen geht so wortwörtlich der Saft aus, während sie aus unserer Sicht weiter produzieren müssen, um den weltweiten Honighunger zu stillen. „Ohne Bienen weniger Wachstum“ warnt ein Slogan auf der Seite des deutschen Imkervereins und spielt damit auf die Gefahren des Bienensterbens für uns an. Doch es zieht problematische Effekte nach sich, wenn wir die Bienen ausschließlich als Nutztier und Garant für Lebensmittelsicherheit, ertragreiche Ernten, Obst und Gemüse wahrnehmen, denn um aus der Arbeit der Bienen Profit zu schlagen wird inzwischen zu fragwürdigen Maßnahmen gegriffen:  Gestutzte Flügel und Beine sind keine Seltenheit und auch die künstliche Besamung ist unter Imker*innen weit verbreitet. Damit unterscheiden sich die Haltungsbedingungen von Bienen im Wesentlichen nicht von denen anderer Nutztiere in der Massentierhaltung. Bienenköniginnen erreichen nur noch einen Bruchteil ihrer natürlichen Lebenserwartung und werden schnell mit jüngeren produktiveren Königinnen ersetzt. Um die Produktionskosten gering zu halten, werden vor allem Abstriche in Futter-und Wasserqualität der Bienen gemacht, da der Honig für die Produktion genutzt wird und nicht mehr von den Bienen selbst gegessen wird. Sollten wir vielleicht nicht nur aus Eigeninteresse das Bienensterben stoppen, sondern auch im Interesse der Bienen darauf hinwirken, dass sie ein besseres Leben führen können?

Vom Bienensterben zu einer Politik für die Biene?

Fest steht: die Biene ist inzwischen immerhin schon ins Blickfeld der deutschen Politik gerückt. So fand 2017 eine vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) angestoßene internationale Bienenkonferenz statt, die Akteure aus Wirtschaft Wissenschaft und Politik vernetzen sollte und auf den 20. März dieses Jahres fiel der erste Weltbienentag. Daraus ging eine Bienen-Allianz zwischen Deutschland und Slowenien hervor, die eine enge Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Slowenien in der Bienen-Forschung bezweckt. Die Bundesregierung und die Länder finanzieren außerdem bereits das sogenannte Deutsche Bienenmonitoring (DeBiMo), mit Hilfe dessen Gründe und Ursachen für das Bienensterben ausfindig gemacht werden sollen. Außerdem hat es die Biene in den Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung geschafft. Die Biene sei „systemrelevant“ heißt es, dieses Eingeständnis muss aber auch in ebenso starken Maßnahmen münden. Mit der Thematisierung des Problems geht die Regierung zwar mit gutem Beispiel voran, aber der Fokus liegt hauptsächlich auf der Honigbiene als Nutzbringer in der Landwirtschaft. Vor allem den Wildbienen ist damit nicht geholfen, daher liegt die Hoffnung im „Aktionsprogramm Insektenschutz“, welches von Umweltministerin Svenja Schulze vorgelegt wurde. Letzteres ist noch nicht abschließend verhandelt, wäre aber eine weitere Errungenschaft zugunsten des Bienenwohls.

Mehr Aufmerksamkeit den Bienen!

Das BMEL bietet im Rahmen der Initiative „Bienen füttern“ eine hohe Bandbreite an Informationsmaterial an. Mithilfe der Bienen App und des Pflanzenlexikons, kann sich über bienenfreundliche Blühpflanzen informiert werden. Auch die o.g. Konferenz trug zu einer zu einer weiteren Sensibilisierung für das Thema bei. Bildung und Bewusstsein bleiben also mit die Triebkräfte im Kampf gegen das Bienensterben (hierzu siehe auch den kürzlich erschienen Artikel zu Bildung für Nachhaltigkeit). Die Umweltbildungsinitiative „Honig Connection“ des Kölner Imkervereins möchte die breite Öffentlichkeit erreichen und mittels Veranstaltungen in Schulen und Unternehmen Informationen zur Lage der Bienen an die Menschen bringen. Auch Bienenpatenschaften wie zum Beispiel über den Nabu oder den Mellifera e.V. sind unterstützenswert. Nicht zuletzt muss das Bienensterben weiter in der öffentlichen Debatte bleiben, damit es um uns herum nicht bald verstummt.

 

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