Drei Milliarden Coffee to go-Becher jährlich – vermeidbarer Müll?!


Gastbeitrag / Dienstag, Juni 25th, 2019

Coffee to go-Becher gehören heutzutage zum Alltag dazu. Sie sind Teil des schnelllebigen Konsumverhaltens: der Kaffee für unterwegs in Einwegbechern, die danach unsere Abfalleimer verstopfen oder sogar in der Natur achtlos entsorgt werden. Aber was spricht prinzipiell gegen Einwegbecher? Sind sie nicht angenehm alltagstauglich, teils recht schick anzusehen und zudem inzwischen sogar schon ökologisch abbaubar?

Coffee to go-Becher lassen sich doch gut recyceln, oder etwa nicht?

Die Behauptung, dass sich Coffee to go-Becher einfach recyceln ließen, hält sich hartnäckig. Sie seien schließlich einfach aus Papier und das wiederum würde aus Holz hergestellt werden, welches ein nachwachender Rohstoff ist. Dementsprechend sei das gut wiederverwendbar. Das ist einerseits auch richtig, allerdings ist das Papier noch mit Kunststoff beschichtet, damit die Flüssigkeit u.a. nicht einfach das Papier durchweicht, sondern im Becher bleibt. Und diese Beschichtung sorgt dafür, dass das Recyceln von Coffee to go-Bechern sehr aufwendig ist bzw. keinen Nutzen hat, weshalb sie größtenteils als Restmüll verbrannt werden. Und all die Becher, die einfach in die Natur geworfen wurden, bauen sich nur sehr langsam ab, während der Kunststoff als Mikroplastik in unser Ökosystem gelangt. Doch welche wirklichen Alternativen gibt es zum gar nicht so einfach zu recycelnden to go-Becher?

Mehrweg to go: die umweltschonendere Alternative?

Wie wäre es damit, sich einfach mal ins Café zu setzen und den Kaffee zu trinken, anstatt ihn mitzunehmen…? Dadurch kann der Alltag ein bisschen „entschleunigt“ werden und wir leisten dazu noch einen guten Beitrag zur Müllvermeidung!

Ein wiederkehrendes Problem bei der konsequenten Umsetzung einer solchen umweltfreundlicheren Lebensweise ist, dass häufig dann doch ein Rückzieher gemacht wird, wenn dadurch die eigene Alltagsroutine verändert werden muss. Verschiedene Kampagnen und Projekte versuchen dem jedoch entgegenzuwirken. Beispielsweise wurde die Aktion „Becherheld-Mehrweg to go“ der Deutschen Umwelthilfe im September 2015 ins Leben gerufen, welche konkrete Handlungshinweisen gibt und dazu anregen soll, dass mehr Mehrwegbecher benutzt werden. Auf deren Website sind viele weitere nützliche Informationen zu finden. Außerdem wurden viele lokale Initiativen ins Leben gerufen. Der Vorreiter hierfür ist Freiburg.

Erst wurde Freiburg „pfand-tastisch und müllfrei“…

Im Kampf gegen Einwegbecher hat die Universität der Stadt Freiburg im Breisgau, als eine der Ersten, ein Projekt ins Leben gerufen, wodurch Anreize gesetzt wurden, Plastik-Pfandbecher zu erwerben und diese dann nach Reinigung wiederzuverwenden. Die Teilnahme Freiburgs an der „Europäischen Woche der Abfallvermeidung“ im November 2016 lieferte dann den Anlass, eine größere Aktion gegen die Kaffeebecherflut zu starten. Dieses erweiterte Projekt wurde durch die Abfallbetriebe und Stadtreinigung Freiburg ins Leben gerufen. Sie sind also eine Art VorreiterInnen, was die Vermeidung von Einwegbechern angeht. Die Aktion begann im Herbst 2016 mit 14 teilnehmenden Geschäften, inzwischen machen 70 Cafés und Bäckereien in der Innenstadt mit. Anfang dieses Jahres gab es sogar eine Neuauflage des FreiburgCups.

…und im Mai 2019 sagte auch Umweltministerin Schulze Einwegbechern auf politscher Ebene den Kampf an

Auch auf politischer Ebene kommt neuer Schwung in die Debatte aufgrund der vor einigen Monaten verabschiedeten EU-Einwegplastik-Richtlinie. Diese verbietet ab 2021 den Verkauf unter anderem von Einwegbesteck, Strohhalmen und Wattestäbchen. Außerdem soll das Verursacherprinzip  gestärkt werden. Hier setzt Umweltministerin Svenja Schulze an: Sie kündigte nun an, die Herstellenden von Einwegbechern (aber auch Verbraucherinnen und Verbraucher) mehr zahlen zu lassen. Damit will Ministerin Schulze erreichen, dass Mehrwegbecher zum Standard werden. Es gibt ganz viele verschiedene Arten von Mehrwegbechern. Sie alle haben gemeinsam, dass sie ganz oft verwendet werden können und dadurch nicht nach jedem Kaffeetrinken neuer Müll produziert wird. Sie können einfach ausgespült werden, da der Becher zum Beispiel aus Edelstahl oder Kunststoff besteht. Es gibt Mehrwegbechersysteme, wo sie nach der Nutzung vom Café gereinigt werden und man einen neuen erhält, so dass man sie nicht immer bei sich tragen muss. Diese Rückgabesysteme sind aber vor allem regional begrenzt. Bei anderen Systemen ist es so, dass jeder x-beliebige Mehrwegbecher mitgebracht werden kann und der dann anstelle eines Einwegbechers wiederaufgefüllt wird. Dieser muss aber zu Hause von einem selbst gereinigt werden.

Nur jeder Vierte benutzt Mehrwegbecher

Bisher nutzt nur etwa jeder Vierte in Deutschland regelmäßig Mehrwegbecher. Dies hat eine repräsentative Telefonbefragung der Marktforschungsgesellschaft TNS Emnid in Berlin im Auftrag der DUH aus dem Jahr 2015 herausgefunden. Das zeigt zwar eine bereits vorhandene Sensibilisierung und eine Offenheit für die Nutzung von Mehrwegbechern in der Gesellschaft, ist aber noch lange keine vollständige Umstellung auf Mehrwegbecher.

Ökologischer Erfolg und Mehrwert des Bechers müssen noch ausgebaut werden

Der ökologische Erfolg und Mehrwert des Mehrwegbechers hängen von mehreren Faktoren ab, um ein paar zu nennen: Erstens dürfen die Mehrwegbecher nicht nur zweimal benutzt werden, denn dann stehen Material- und Produktionsinput und Nutzungsmehrwert noch nicht in einem ökologisch vertretbaren Verhältnis. Zweitens, sollte der routinemäßige Gebrauch eines Mehrwegbechers nicht darüber hinwegtäuschen, dass bereits der Konsum von Kaffee (und Tee) i.d.R. mit einem beachtlichen sozialen und ökologischen Fußabdruck versehen ist. Und drittens muss auch der Wille da sein, etwas im Hinblick auf die eigene Lebensweise zu verändern – dabei kann eine politische Regulierung durchaus helfen die richtigen Anreize zu setzen.

Kurz gesagt ist das Konzept des Mehrwegbechers je nach Art der Umsetzung noch nachbesserungswürdig, geht aber auf alle Fälle schon einmal in die richtige Richtung. Als kleiner Anreiz für alle: in immer mehr Geschäften gibt es ein bisschen Rabatt, wenn man sich das Getränk in einen Mehrwegbecher abfüllen lässt.

 

Zum Weiterlesen:

https://www.duh.de/becherheld-problem/

https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2019-05/svenja-schulze-einweg-kaffeebecher-verbot-muell-umweltschutz

http://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20190321IPR32111/wegwerfprodukte-aus-plastik-parlament-stimmt-fur-verbot-ab-2021   

 

Zu der Autorin: Sophie Berg studiert den deutsch-französischen Master „Internationale und Europäische Governance“ an der WWU Münster und Sciences Po Lille. Ihre Schwerpunktinteressen sind nachhaltigkeitsrelevante Themen, Friedens-/Konfliktforschung und Menschenrechte.

 

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