Rauchen: Nicht allein eine Gefahr für die Menschen!


Gastbeitrag / Montag, September 2nd, 2019

Jeder und jedem ist mittlerweile klar: Rauchen ist ungesund und kann sogar tödlich sein. Auffällig ist, dass Rauchen seit Jahren ein wichtiges Thema in der Gesundheitspolitik ist, wie es z.B. die Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen oder die Erhöhung der Tabaksteuer zeigen. Jedoch haben Zigaretten nicht nur direkte Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen, sondern auch auf die Umwelt!

An öffentlichen Orten kann man schnell feststellen: Zigarettenstummel sind überall. Sie gelten als eines der am häufigsten auf den Boden geworfenen Abfallprodukte – auch am Strand und an den Küsten. Von den weltweit 6.300 Milliarden gerauchten Zigaretten pro Jahr werden 4.300 Milliarden auf die Straße geworfen, das heißt 137.000 pro Sekunde (www.planetoscope.com).

Kleine Stummel, große Wirkung

Auch wenn Tabak biologisch abbaubar ist, sind es die Filter nicht. Sie sind lediglich fotoabbaubar – das bedeutet sie benötigen UV-Strahlen, um sich zu zersetzen. Diese Eigenschaft beruht auf der Hauptmaterialkomponente, dem Plastik Celluloseacetat. Wegen des Plastikanteils brauchen Zigarettenstummel gut zehn Jahre, um sich zu zersetzen. Angesichts der Menge der Zigaretten, die sich auf der Straße wiederfinden, stellen die Zigarettenfilter 175.000 Tonnen Abfall dar (Weltgesundheitsorganisation WHO), was eine sehr große Verschmutzungsquelle ist.

Zudem sind Zigarettenstummel gefährlich, weil sie giftige Chemikalien, wie z. B. Nikotin oder Chrom, beinhalten, die im Tabakanbau (Pestizide, Herbizide, usw.) und in der Zigarettenproduktion (Arsen, Nikotin, Schwermetalle, usw.) eingesetzt werden. Diese Rückstände werden vom Regen weggeschwemmt und landen schließlich im Boden und im Wasser (und manchmal im Trinkwasser). Ein Zigarettenstummel kann schockierender Weise bis zu 500 Liter Wasser mit Chemikalien, die die Weltgesundheitsorganisation als gesundheitsgefährdend einstuft, verschmutzen (www.planetoscope.com; WHO).

Tiere, die in den verschmutzen Gebieten leben, leiden unter diesen Chemikalien. Beispielsweise verwechseln Fische die Zigarettenstummel oft mit Nahrung, wie Insekten oder Würmern, und fressen diese. Auch Haustiere können diese Substanzen fressen und davon im schlimmsten Fall sterben.

Ebenfalls gefährdet durch die giftigen Chemikalien ist der Mensch. Tausende Kinder vergiften sich jedes Jahr an Zigarettenstummeln, weil kleine Kinder ihre Umgebung mit dem Mund erkunden und so auch Zigarettenstummel aufnehmen (www.rauchfrei-werden.at).

Zigarettenstummel sind zudem die 3.-häufigste Ursache von Haus- und Waldbränden (Wallbank et al. 2017). Weltweit sterben ungefähr 17.000 Menschen durch Brände, die von Zigaretten oder Feuerzeugen verursacht wurden (www.rauchfrei-werden.at). Diese Waldbrände haben Abholzung, Verwüstung und Tiersterben zur Folge.

Dazu kommen auch die Kosten der Straßenreinigung, um öffentliche Orte von Zigarettenstummeln zu befreien. Beispielsweise hat die Stadt San Francisco 2009 dafür mehr als 6 Milliarden US-Dollar ausgegeben (Marah & Novotny 2011).

Eine saubere Lösung?

Angesichts dieses Problems sollten sich PolitikerInnen dem Thema widmen. Sie sollten das Recycling von Zigarettenstummeln fördern und DienstleisterInnen unterstützen, die sich darum kümmern, die Zigarettenstummel zu sammeln und zu recyceln. Hier kann MéGo! (s. Website) als Beispiel genannt werden. MéGO! ist ein französischer Dienstleister für Unternehmen, Vereine und Gemeinden, der diesen anbietet, in ihren Büros Zigarettenstummel abzuholen, um diese zu recyceln. MéGO! kümmert sich dann um die Sammlung, das Recycling und die CO2Bilanz, weil das Ziel auch ist, die CO2-Belastung zu reduzieren.

Die Politik kann außerdem Maßnahmen ergreifen, damit z.B. Bar-BesitzerInnen verpflichtet werden, die Straße vor den Kneipen sauber zu halten, oder auch eine Kampagne starten, damit Raucherinnen und Raucher für diese bislang unbeachtet gebliebene Form der Umweltverschmutzung sensibilisiert werden.

Zum Ende steht sicherlich fest: das Thema Rauchen sollte nicht einzig und allein aus gesundheitspolitischer, sondern auch aus umweltpolitischer Perspektive betrachtet werden.

Quellen: 

Zum Weiterlesen:

 

Zu der Autorin: Marlène Kraus studiert an der WWU Münster und an Sciences Po Lille den deutsch-französischen Master ‚Internationale und Europäische Governance‘ mit dem Schwerpunkt Konflikte und Entwicklung. Sie hat sich im Rahmen ihrer Bachelorarbeit mit dem Beitrag von NGOs zum Thema Unternehmensverantwortung auseinandergesetzt.

 

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