Bewusstes Einkaufen in der Adventszeit (und drüber hinaus) Dieser Blogpost stammt aus einer Reihe von Artikeln, die im Rahmen des diesjährigen ZIN-Adventskalenders an den Adventssonntagen veröffentlicht wurden.


Doris Fuchs / Montag, Dezember 23rd, 2019

Aus der Perspektive der globalen Umweltherausforderungen ist die beste Art einzukaufen meist es einfach nicht zu tun. Die direkteste Art unseren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern ist insgesamt weniger zu konsumieren, weniger Fleisch, weniger Klamotten, weniger Flüge. Aber nicht immer ist die Entscheidung nicht einzukaufen eine Option. Irgendwann muss etwas zu Essen auf dem Tisch stehen und Kinder brauchen zum Beispiel regelmäßig neue Sachen zu Anziehen, wenn die alten zu klein geworden sind. Aber wie entscheide ich, was ich kaufe?

Wenn gefragt wird, ob sie soziale und umweltbezogene Kriterien bei ihren Kaufentscheidungen berücksichtigen, antworten die meisten Deutschen heute mit „Ja!“. Viele würden gerne wissen, dass sie mit ihrem Konsum nicht die Ausbeutung von Menschen, die Verbreitung von Umweltgiften und Tierquälerei fördern. Deshalb ist auch die Zahl der Öko-Label, Tierwohl-Zertifizierungen und Fair-Trade Siegel in den vergangenen Jahrzehnten explodiert. Denn niemand will Konsumenten und Konsumentinnen verlieren. Doch die Zahl dieser Label, Zertifikate und Siegel ist inzwischen so groß, dass sie jeden erschlagen muss. Denn sie alle haben unterschiedliche Kriterien und selbst wenn man die Information zu diesen Kriterien bei manchen relativ einfach im Internet finden kann, dann würde die genaue Abwägung ihrer Stärken und Schwächen für jedes einzukaufende Produkt unsere verfügbare Zeit bei weitem übersteigen. Darüber hinaus gibt es für viele der Label gerade auch keinen einfachen Zugang zu den Informationen, was denn da eigentlich bewertet wird.

Dieses Label-Wirrwarr soll jetzt zumindest bei Fleischprodukten reduziert werden. Mit „Haltungsform 1-4“ ist ein neues System am Start, bei dem alle großen Lebensmittelketten in Deutschland mitmachen. Super, oder? Leider nein! Wenn wir das, was wir über die Kriterien bei Haltungsform, erfahren können zum Beispiel mit den Biolabeln „Neuland“ oder „Bioland“ vergleichen, dann fällt uns auf, was wir alles nicht erfahren. Wir erfahren nichts zu den Zuchtbedingungen und nichts zu Fragen von Transport und Schlachtung. Die wenigen veröffentlichten Kriterien beziehen sich auf den Produktionsabschnitt Mast. Und auch hier fehlt überraschend viel, was andere Label ganz klar regeln, z.B. Fragen der Antibiotikavergabe oder auch der maximalen Gewichtszunahme (Stichwort Turbomast). Ganz grundsätzlich wird die Frage der Gesundheit der Tiere vernachlässigt. Die Organisation FoodWatch spricht entsprechend auch von einer „Mogelpackung“, die den Käuferinnen und Käufern eine Möglichkeit zum Tierwohl beizutragen nur „vorgaukelt“. (https://www.foodwatch.org/de/aktuelle-nachrichten/2019/was-bringt-das-neue-fleisch-logo-von-rewe-aldi-co/)

Insofern ist es dann doch essenziell, dass wir uns als Verbraucherinnen und Verbraucher einmal über die Güte von Labeln etc. informieren. Ein Weg, uns dabei Arbeit zu ersparen, ist auf die Empfehlungen von Organisationen zurückzugreifen, die sich diese Arbeit schon für uns gemacht haben. Sie bewerten die Label für uns. Die Christlichen Initiative Romero (CIR) hat zum Beispiel einen kostenlosen „Quick Check: Eine schnelle Orientierung im Labellabyrinth“ (https://www.ci-romero.de/produkt/quick-check-eine-schnelle-uebersicht-im-label-labyrinth/) veröffentlicht, der sogar ins „Portemonnaie“ passt und deshalb immer schnell zur Hand sein kann. Auch den will ich natürlich nicht bei jedem Projekt noch einmal neu konsultieren müssen. Aber das braucht man auch gar nicht! Denn es wird sehr schnell deutlich auf welche wenigen Bewertungssysteme man sich verlassen kann und das in der Regel durchgängig. Insofern reicht es dann auch, wenn ich mir ein paar gute Label merke und den von Rest ihnen getrost ignoriere. Für das „Greenwashing“ oder „Windowdressing“ von Konzernen ist mir mein Geld nämlich zu schade.

 

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