Geld ist nicht neutral – Kapital kann Nachhaltigkeit gestalten


Hannah Klinkenborg / Montag, Juli 6th, 2020

Laut einer Umfrage der Verbraucherzentrale aus dem Jahr 2013 interessiert sich rund ein Drittel der Befragten für eine ethisch-ökologische Geldanlage.

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragte vom 6. bis 15. November 2013 insgesamt 1014 Personen, die in ihrem Haushalt über Finanzen entscheiden und aus einem nach Alter, Geschlecht und Region repräsentativen Panel gezogen und entsprechend dieser Merkmale sowie Bildung gewichtet wurden.

Jedoch hatten zu dem Zeitpunkt nur 5 Prozent der Befragten eigene Erfahrungen mit solchen Anlagen gemacht. Was bedeutet das  – sind wir zu bequem unseren Willen, nachhaltigere Entscheidungen zu treffen, auch tatsächlich umzusetzen? Oder überfordert uns die Unübersichtlichkeit und Undurchsichtigkeit, nachhaltige Alternativen in unser Leben zu integrieren?

Wie wir unser Geld anlegen ist „nur“ eine Entscheidung auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Gesellschaft. Dennoch ist diese einzelne Entscheidung nicht zu unterschätzen. Banken (und damit auch wir als AnlegerInnen) tragen eine Mitverantwortung für mangelnde Nachhaltigkeit in unserer Zeit. So fließen Finanzierungen konventioneller Banken auch in Unternehmen und Branchen der Waffenindustrie, Kern- und Kohleenergie. Gleichzeitig haben private Haushalte mit einem Geldvermögen von knapp fünf Billionen Euro ein nicht zu unterschätzenden finanziellen Hebel, einen Wandel in diesen Praktiken zu initiieren: Eine Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums zeigt, dass mit einer klimafreundlichen Anlagestrategie 42 Prozent weniger schädliche Treibhausgase verursacht werden könnten.

Was sind nachhaltige Geldanlagen?

Der Markt „grüner“, „ethischer“, „nachhaltiger“ Angebote ist auch im Finanzsektor unübersichtlich. Es existieren grüne Sparbücher und nachhaltige Aktienfonds. Viele AnlegerInnen haben dabei weder die Zeit noch das Wissen die jeweiligen Nachhaltigkeitsansätze zu durchschauen und zu hinterfragen.  Was sich genau hinter diesen Labels verbirgt ist außerdem nicht fest definiert. Es gibt weder verbindliche Kriterien, die als Mindeststandards für nachhaltige Geldanlagen gelten, noch gibt es unabhängige VerbraucherInnenlabels, die allgemein anerkannt sind und breite Anwendung finden. Dennoch lassen sich grundlegende Ansätze beschreiben, die auf nachhaltige Anlagen hinweisen und auf die bei der Wahl von Geldanlagen zu achten sind:

  1. Positivkriterien: Bankinstitute formulieren Kriterien, nach denen sie festlegen, in welche nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen und Branchen sie investieren.
  2. Negativkriterien: Banken führen Kriterien auf, in welche Unternehmen und Branchen kein Geld fließt (etwa Atomenergie, Waffenindustrie, Kohleindustrie sowie Unternehmen, die Kinderarbeit oder Gentechnologie nutzen).
  3. Best-in-Class: Banken unterstützen mit ihren Investitionen Firmen, die in ihrer Branche in Sachen Umwelt-/Sozialstandards eine Vorreiterrolle einnehmen. Dabei wird keine Branche ausgeschlossen, sodass die Investitionen z.B. auch in die Atom-, Waffen- oder Kohleindustrie fließen können. Hiermit soll ein Anreiz für weniger engagierte BranchenvertreterInnen gesetzt werden, sich stärker nachhaltig zu engagieren.
  4. Engagement: Banken führen Dialoge mit Aktiengesellschaften und nutzen Stimmrechte als Aktionäre, um Umwelt-/Sozialstandards in Unternehmenspolitiken zu integrieren.

Geld ist nicht neutral

Da es das eine Siegel für nachhaltige Geldanlagen nicht gibt und alle Banken selbst definieren, was sie als „nachhaltig“ labeln, bedarf es einer individuellen Abschätzung dieser Kriterien. Vor allem die Formulierung von Positiv- und Negativkriterien geben dabei gute Hinweise auf die Nachhaltigkeit von Banken. Als nachhaltige Banken, die vorrangig ethische, soziale und ökologische Kriterien in ihrer Geschäftspraktik berücksichtigen, können am ehesten alternative und kirchliche Banken bezeichnet werden. Hierzu zählen etwa die GLS Bank, UmweltBank, EthikBank, Triodos Bank, Pax Bank, Tomorrow oder aus dem kirchlichen Bereich die KD-Bank. Diese Banken fördern mit unterschiedlichen Schwerpunkten den Klimaschutz (z.B. durch Projekte im Bereich Erneuerbarer Energien) und Sozialprojekte (z.B. Krankenhäuser, Mehrgenerationen-Wohnprojekte und Kindergärten). Anders als konventionelle Banken investieren sie auf Basis strenger Nachhaltigkeitskriterien, im sozialen und ökologischen Sinne.

Neben diesen Aspekten, die aus Positivkriterien resultieren, können die Banken als nachhaltig bezeichnet werden, wenn sie zusätzlich keine Investitionen in klimaschädliche Bereiche wie die Kohleindustrie stecken sowie wenn sie kein Geld in die Kinderarbeit oder in die Waffenindustrie investieren. Da die Banken ihre Kriterien für Nachhaltigkeit jedoch selbst definieren, können auch alternative und kirchliche Banken klimaschädliche Branchen wie die Kohleindustrie fördern. Hier gilt es genau hinzuschauen, welche Kriterien von den Banken angewendet werden.

Nachhaltige Geldanlagemöglichkeiten findet man vor allem bei Banken, die auf solche Produkte spezialisiert sind. Aber auch viele konventionelle Kreditinstitute werben inzwischen mit „nachhaltigen“ oder „grünen“ Sparprodukten und veröffentlichen Nachhaltigkeitsberichte. Das Angebot vereinzelt klimafreundlicher Sparanlagen, wie ein innerbetrieblicher Umweltschutz als auch gesellschaftliches Engagement sind dabei erste Ansätze. Dennoch finden sich unter den Investitionen dieser Banken häufig klimaschädliche Branchen wie die Kohle- und Atomindustrie wieder.

Das wichtigste ist Transparenz

Hinter allen Überlegungen und Entscheidungen der nachhaltigen Geldanlage steht immer die Transparenz der Banken. Für Anlegerinnen und Anleger sollte es einsehbar und nachvollziehbar sein, in welche Branchen und Projekte ihre Gelder fließen (ausgenommen von Privatkrediten). Am meisten Transparenz schafft dabei die genaue Angabe von Projektnamen und Standorten. Doch auch schriftliche Garantien, dass von der jeweiligen Bank bestimmte Branchen von Investitionen ausgeschlossen werden, sind gute Anhaltspunkte. Oft hilft hier auch Nachfragen bei der eigenen Bank, denn Nachfrage kann das Angebot erhöhen.

Fazit: Was kann ich mit meiner Geldanlage bewirken?

Als KundIn besteht die Möglichkeit, auf Geschäftspraktiken von Banken Einfluss zu nehmen. Nachfragen beim eigenen Geldinstitut über nachhaltige Angebote und das Einfordern von mehr Transparenz sind erste Schritte konventionelle Banken zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen. Einen stärkeren Einfluss auf die Nachhaltigkeit hat hingegen ein Bankwechsel zu einer alternativen Bank sowie die damit einhergehende Benachrichtigung an die Bank über die Beweggründe für diesen Wechsel. So können Banken für das Bedürfnis nach ethisch-ökologischeren Angeboten sensibilisiert werden.

Außerdem:

Grundsätzlich bestehen bei konventionellen und ethisch-ökologischen Geldanlagen die gleichen Ertragschancen und Verlustrisiken. Bestimmend ist hier vor allem die Form der Anlage, die vor allem auf Basis persönlicher Bedürfnisse der Sicherheit, Rentabilität und Liquidität gewählt wird. Auf Rendite muss man bei der Wahl einer nachhaltigen Geldanlage also nicht verzichten. Kontoführungsgebühren und Mitgliederbeiträge sind bei einigen alternativen Banken jedoch höher als bei konventionellen Banken. Der zusätzliche Gewinn für die Umwelt und Gesellschaft sollten daher die Hauptkriterien für einen Bankwechsel zu einer nachhaltigen Bank sein.

 

Zum Weiterlesen:

https://www.fairfinanceguide.de/ffg-d/start/

https://www.geld-bewegt.de/

 

Übersicht ausgewählter Siegel:

Das FNG-Siegel für nachhaltige Investmentfonds

Ecoreporter Siegel für nachhaltige Banken

Klima-Rating für Fonds

Der Fair Finance Guide für nachhaltige Banken und Lebensversicherungen

 

Nachweis Titelbild: https://pixabay.com/