Simge Özdal Oktay und Christian Kray
Mit die umweltfreundlichste und gesündeste Art zu Pendeln ist mit dem Fahrrad. Dabei wird kein CO2 freigesetzt und es gibt viele Möglichkeiten, weniger sportliche Menschen oder solche mit Einschränkungen zu unterstützen. E-Bikes erlauben ein schnelles Vorankommen ohne übermäßige Anstrengung. Lasträder können auch größere Dinge (und weitere Personen) transportieren. Ein Autoparkplatz reicht für viele Fahrräder. Im Gegensatz zum motorisierten Verkehr ist das Pendeln mit Fahrrädern ohne Lärmbelastung und Luftverschmutzung möglich. Es gibt also viele Gründe, (sich) beim Pendeln auf das Fahrrad zu setzen.
Im Gegensatz zum Auto sind Radfahrer*innen aber deutlich “näher” am Verkehr dran. Wer mit dem Auto an einem LKW vorbeifährt, denkt sich dabei nicht viel. Wer aber beim Radfahren von einem Laster überholt wird, hat sicherlich ein ganz anderes Gefühl. Nicht nur dabei macht es einen Unterschied, ob es einen separaten, von den Autos räumlich getrennten Radweg gibt oder nicht. Auch Umweltaspekte können beim Radfahren eine große Rolle spielen – durch den Park radelt es sich bequemer als an einer vielbefahrenen Straße entlang. Darüber hinaus lässt sich auf glatten Strecken ohne Schlaglöcher, Ritzen und Verformungen deutlich angenehmer Fahrrad fahren. Solche Informationen finden sich aber leider nicht in Kartendiensten wie Google oder Apple Maps wieder.
Intelligent Pendeln
Besonders bedeutsam sind diese Punkte für Strecken, die regelmässig genutzt werden. Wer täglich zur Arbeit, zur Schule oder an andere Orte pendelt, möchte dies nicht nur möglichst schnell sondern auch möglichst sicher, komfortabel und angenehm tun. Im Rahmen des vom Bundesministeriums für Forschung, Technolgie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Verbundprojektes “Intelligent Pendeln” erforscht das Institut für Geoinformatik (ifgi) an der Universität Münster, wie Radfahrer*innen beim Pendeln besser unterstützt werden können. Dabei stehen zwei Aspekte im Zentrum des Interesses: bessere Daten zu erhalten, die für das Radfahren von Bedeutung sind, und die “Fahrradfreundlichkeit” auf einer Karte sichtbar zu machen.
Offene Daten von und für Radfahrer*innen
Um genau bestimmen zu können, wie fahrradfreundlich eine Strecke ist, braucht es viele verschiedene Daten wie z.B. Umweltdaten oder Informationen zu Radwegen und deren Beschaffenheit. Im Projekt werden deshalb viele frei verfügbare und offene Daten zusammengeführt. Als Grundlage dient die sehr detaillierte Karte von Open Street Map, einem Kartendienst, der stark auf Beiträgen von Freiwilligen beruht. Dort sind u.a. viele Informationen zu Radwegen, Stellplätzen für Radfahrer*innen oder dem genauen Aufbau von Kreuzungen enthalten.
Der zweite wichtige Datensatz stammt von Open Sense Map – einer Plattform, die eine breite Palette von Sensordaten enthält, die von freiwilligen Helfer*innen erhoben werden, insbesondere in Münster, wo die senseBox entwickelt wurde. Dies kann beispielsweise mithilfe einer am Fahrrad befestigten Sensorbox erfolgen, die während der Fahrt Luftqualität, Vibrationen oder Überholvorgänge aufzeichnet. Im Projekt wurde hierfür die senseBox:bike eingesetzt. Mehrere in Münster organisierte Fahrradkampagnen stellten Daten von rund 110 Freiwilligen bereit. In Osnabrück organisierten wir zwei Datenerhebungskampagnen, und etwa 20 Freiwillige sammelten insgesamt sechs Wochen lang mit einer senseBox:bike Daten im gesamten Stadtgebiet. Außerdem nutzten Projektmitarbeitende Sensoren, um umfangreiche Daten in Münster und Osnabrück zu erfassen.
Darüber hinaus kam auch die zentral im Projekt entwickelte Urbane Datenplattform zum Einsatz, die u.a. per App gemachte Datenspenden zum Pendelverhalten erfasst hat. Solche “Echtzeitdaten” haben das Potenzial, unterwegs passende Vorschläge zum besseren Pendeln zu machen. Das folgende Video erklärt genauer, wie die App funktioniert und warum die so erfassten Daten helfen, das Pendeln für alle Verkehrsteilnehmer*innen zu verbessern:
Fahrradfreundlichkeit auf einer Karte
Die so erfassten (und gereinigten) Daten fließen dann in eine komplexe Berechnung ein, die für jedes Stück Straße und Radweg dessen Fahrradfreundlichkeit bestimmt. Daraus lässt sich dann eine interaktive Karte erstellen, die für die ganze Stadt anzeigt, wo sich besonders gut bzw. eher schlecht radfahren lässt. Diese Karte ist in ein Dashboard eingebettet, das noch weitere Funktionen und Informationen bietet. Eine Besonderheit ist dabei, dass die Berechnung der Fahrradfreundlichkeit (im Englischen auch “Bikeability” genannt) personalisiert werden kann. Wer besonders Wert auf Sicherheit oder Umweltqualitäten legt, kann das individuell festlegen und dann mit einem Klick für ganz Münster (oder Osnabrück) die Fahrradfreundlichkeit neu berechnen. So lässt sich einfach und schnell sehen, wo man selbst gerne entlangradeln kann. Das Dashboard ist online verfügar unter https://ipdashboard.uni-muenster.de/muenster.

Bikeability-Dashboard: Fahrradfreundlichkeit in Münster anzeigen und personalisieren, https://ipdashboard.uni-muenster.de/muenster
Eure Meinung ist gefragt
Für die Weiterentwicklung der Ansätze und Ideen zur Fahrradfreundlichkeit sammeln wir gerade Rückmeldungen von Radfahrer*innen. Dazu führen wir eine Umfrage durch. Die Ergebnisse werden uns helfen, das Dashboard zu verbessern und damit zur Entwicklung fahrradfreundlicher Städte beizutragen. Die Teilnahme ist selbstverständlich freiwillig und anonym. Sie dauert circa 15 Minuten und wir freuen uns über jede Rückmeldung. Zur Umfrage gelangt ihr mit Klick auf den Button oder unter Eingabe dieses Links: https://studien.uni-muenster.de/Fahrradtauglichkeit-Dashboard-UI-Umfrage-2025/
Wir möchten uns bereits im Voraus herzlich für Eure Teilnahme bedanken. Falls Ihr weitere Fragen oder Anregungen habt, können Ihr Euch gerne jederzeit per E-Mail (sitcom.studies@uni-muenster.de) an uns wenden.
Referenzen und Lesetipps
Webseite des Verbundprojektes “Intelligent Pendeln”. Online verfügbar unter: https://www.intelligent-pendeln.de, (abgerufen am 20.11.2025).
Bikeability-Dashboard für Münster und Osnabrück. Online verfügbar unter: https://ipdashboard.uni-muenster.de/muenster (abgerufen am 20.11.2025).
Erklärvideo des Intelligent Pendeln Projektes zum Thema Datenspende. Online verfügbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=B3vdMtSw0_I (abgerufen am 20.11.2025).
Webseite des Open Sense Map Projektes. Online verfügbar unter: https://opensensemap.org (abgerufen am 20.11.2025).
Webseite des OpenStreepMap Projektes. Online verfügbar unter: https://www.openstreemap.org (abgerufen am 20.11.2025).
Webseite des ATRAI Projektes, in dem senseBox:bike genutzt wird. Online verfügbar unter: https://atrai.bike/de (abgerufen am 20.11.2025).
Pressemeldung Arnsberg zum Einsatz von senseBox:bike (23.04.2025). Arnsberg macht Umwelt sichtbar: Bürger:innen sammeln mit Sensoren Umweltdaten für die Stadt von morgen. Online verfügbar unter: https://www.arnsberg.de/rathaus-politik/pressestelle/presse-infos/meldung/arnsberg-macht-umwelt-sichtbar-buergerinnen-sammeln-mit-sensoren-umweltdaten-fuer-die-stadt-von-morgen (abgerufen am 20.11.2025).
Autor*innenbeschreibungen:
Dr. Simge Oktay ist Stadtwissenschaftlerin mit einem interdisziplinären Hintergrund in Stadtplanung und Geoinformatik. Derzeit ist sie am IfGi tätig und Mitglied des StadtLabors Münster. Sie engagiert sich intensiv für Citizen Science und entwickelt innovative Ansätze, um komplexe Daten verständlich und zugänglich für die Öffentlichkeit aufzubereiten – mit einem besonderen Schwerpunkt auf klimaneutraler Mobilität.
Prof. Dr. Christian Kray ist Professor für Geoinformatik am IfGi und Mitglied des Zentrum für Interdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung an der Universität Münster. Er ist Leiter des Labors „Situated Computing and Interaction“ und forscht u.a. zu den Themen Smart City, Mensch-Computer-Interaktionen, ortbezogene Dienste, und Datenschutz von Positionsdaten. Zudem entwickelt er methodische Ansätze zur Evaluation mobiler und ubiquitärer Systeme.
