All I want for Christmas is…

Dieser Blogbeitrag ist ein Jahresrückblick auf die in diesem Jahr veröffentlichten Artikel und einige ihrer zentralen Erkenntnisse, die wir als Weihnachtswünsche zusammenfassen wollen.

Lieber Weihnachtsmann, liebes Christkind, lieber Joulupukki, liebe Snegurotschka, liebe Befana, lieber Sinterklaas, liebe Los Reyes Magos, lieber Niño Dios, liebe Jolasveiner, und und und…

wir wissen, ihr meint es nur gut und eure jährlichen Geschenke sollen Freude bringen. Vielleicht ist es aber an der Zeit darüber nachzudenken, ob wir die materiellen Geschenke wirklich alle brauchen. Im letzten Jahr zeigte eine Weihnachtsstudie kontinuierlich steigende Ausgaben für Weihnachtsgeschenke und ein aktuelles Rekordhoch (FOM Hochschule, 2024). Dabei leben wir in einer Welt mit endlichen Ressourcen, in der die meisten in industrialisierten Ländern längst schon mehr besitzen als sie brauchen. Allein in Deutschland besitzen wir im Durchschnitt bereits über 10.000 Gegenstände pro Person (BUNDjugend, 2018). Gleichzeitig bauen unsere Wirtschaftssysteme auf unbegrenztem Wachstum, ohne die Grenzen unseres Planeten, der nicht endlos liefern kann, zu berücksichtigen (Elstorpff et al., 2025).

Dieses Weihnachten kann die Gelegenheit zum kritischen Reflektieren unseres Konsumverhaltens sein und auch ihr könnt eure Lieferpraxis überdenken.

Ein mal etwas anderer Wunschzettel

Darum schreiben wir dir in diesem Jahr ganz bewusst keinen Wunschzettel mit Dingen, die man einpacken kann. Denn wisst ihr, in diesem Jahr haben wir viel darüber nachgedacht, was unsere Welt wirklich zusammenhält. Es sind nicht die Schleifen um die Geschenke, sondern die Verbindungen zwischen Menschen. Unseren Projekten und die daraus entstandenen Artikel dieses Jahres haben unsere Erkenntnis gestärkt, dass wir uns etwas zum Teilen und Gemeinsam-Erleben statt zum Besitzen wünschen. Zum Beispiel Gemeinschaft, Zusammenhalt und Verantwortung.

Also liebe Geschenküberbringer*innen, lasst uns gemeinsam einen Blick zurückwerfen. Jeder unserer Artikel aus dem Jahr 2025 hat eine Erkenntnis hervorgebracht und damit einen Weihnachtswunsch für die Zukunft.

Wir wünschen uns….

…mehr Räume, in denen verschiedenste Menschen einander wirklich begegnen und gemeinsam denken und gestalten können.

Orte, an denen wir nicht übereinander, sondern miteinander sprechen. An denen unterschiedliche Perspektiven und vielfältige Stimmen gehört und eingebunden werden, um gemeinsam Visionen für eine lebenswerte Zukunft zu entwickeln. Wir wünschen uns Räume, die echte Beteiligung gleichermaßen für alle schaffen statt Bürger*innen zu bloßen Zuschauer*innen zu machen. Dabei sind Beteiligungsformate, wie z.B. Bürger*innenräte, ideale Räume, die zeigen, dass Demokratie lebendig wird, wenn Menschen ernsthaft einbezogen werden und gemeinsam an Lösungen arbeiten dürfen (König & Siegel, 2025).

Doch solche Räume können nicht nur in politischen Prozessen entstehen. Auch im Alltag spüren wir, dass Zugehörigkeit dort wächst, wo Menschen echte Verbindungen zu ihrem Umfeld entwickeln können. Studien zum zivilgesellschaftlichen Engagement zeigen beispielsweise, dass sich Menschen besonders dann für ihre Stadt einsetzen, wenn sie sich mit ihr verbunden fühlen und sehen, dass ihr Engagement etwas bewirken kann. Vereine, Initiativen und lokale Gruppen schaffen genau diese sozialen Räume: Orte, an denen Austausch stattfindet, Gemeinschaft entsteht und Engagement für das Gemeinwohl überhaupt erst möglich wird (Hoffmann, 2025).

Dasselbe gilt für sogenannte Reallabore. Sie schaffen geschützte Experimentierräume, in denen Menschen konkrete Lösungsansätze für gesellschaftliche Herausforderungen erproben und gemeinsam Erfahrungen sammeln können. Hier wird sichtbar, wie Veränderung entsteht – nicht abstrakt oder theoretisch, sondern durch gemeinsames Handeln, miteinander Lernen, Unsicherheiten ansprechen und Konflikte produktiv machen (Pastoors & Drees, 2025).

Ob Bürger*innenrat, Verein, Kommune oder Reallabor – überall dort, wo Menschen sich wirklich begegnen, entstehen Gemeinschaften und Möglichkeitsräume, in denen Zukunft gemeinsam gedacht und gestaltet werden kann.

…eine (digitale) Welt, die uns verbindet – und nicht spaltet

Wir leben in einer Zeit, in der Technologien enorme Chancen bieten und gleichzeitig große Herausforderungen mit sich bringen. Digitale Räume könnten Orte des Austauschs und der Begegnung sein, doch allzu oft werden Verzerrungen durch intransparente Algorithmen verstärkt, die unsere Gedanken und Diskussionen beeinflussen, ohne dass wir es bemerken. Als Folge dessen dominieren vereinfachende und radikalere Social-Media-Inhalte, die unsere Gesellschaft spalten. Wir wünschen uns deshalb digitale Infrastrukturen, die demokratisch und menschenfreundlich gestaltet sind, Datensparsamkeit und Datenschutz berücksichtigen, global verbinden und nicht bestehende Ungleichheiten weiter vertiefen. Mehr open-spaced und community-based Alternativen zu den marktdominierenden, anti-demokratischen Tech-Unternehmen wären ein wichtiger Schritt dahin (Kannengießer, 2025).

Verbindungen zueinander entstehen auch dort, wo wir uns im Alltag bewegen, denn Mobilität ist entscheidend zur Erreichung sozialer Räume. Im Projekt „Intelligent Pendeln“ wird daher erforscht, wie Radfahrer*innen, besonders beim Pendeln, besser unterstützt werden können. Auch hier sehen wir durch die Verwendung von OpenStreetMap als digitale, in Teamarbeit erstellte Weltkarte die Relevanz einer weltweiten online Community. Dieses internationale Gemeinschaftsprojekt stellt freie Geodaten zur Verfügung und ist kostenlos offen für alle ohne profitorientierte Zwecke (Oktay & Kray, 2025).

Dass Verbindung möglich ist, sehen wir in ganz unterschiedlichen Bereichen. Auch religiöse und interkulturelle Perspektiven erinnern uns daran, dass wir nicht als vereinzelte Akteure auf dieser Erde leben. Verschiedene religiöse Zugehörigkeiten müssen daher nicht trennen. Religiöse Vielfalt kann in Zeiten ökologischer Krisen wirkmächtig sein und ermutigen gemeinsam Verantwortung für unseren Planeten und alle darauf lebenden Lebewesen zu übernehmen. In der Religionswissenschaft zeigt sich damit, wie wertvoll es ist, vielfältige Beziehungen anzuerkennen und die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen allen Geschöpfen ernst zu nehmen (Sinn, 2025).

…stärkere Allianzen (zwischen Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft) für eine nachhaltige Transformation.

Große gesellschaftliche Veränderungen entstehen nicht, wenn Akteur*innen nebeneinander agieren, sondern wenn sie gemeinsam Verantwortung übernehmen. Nationale Bürger*innenrräte zeigen z.B., wie fruchtbar die Zusammenarbeit von Bürger*innen, Wissenschaft und Politik sein kann (König & Siegel, 2025). Auch interreligiöse Diskurse verdeutlichen, wie wichtig es ist, Perspektiven zu öffnen und voneinander zu lernen (Sinn, 2025).

In Transformationsprozessen – wie in der Nachhaltigkeitsstrategie in Tecklenburg – wird sichtbar, wie kraftvoll es ist, wenn Verwaltung, Politik, Wissenschaft, Bildung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam Leitlinien entwickeln. Solche Allianzen schaffen Orientierung, Legitimität und neue Handlungsmöglichkeiten (Pastoors & Drees, 2025). Dass dieses Zusammenspiel notwendig ist, zeigt sich auch in der Forschung zu 1,5-Grad-Lebensstilen: Individuelle Verhaltensänderungen allein reichen nicht aus. Gesellschaftliche Veränderung muss als gemeinsame Aufgabe begriffen werden (Fuchs et al., 2025). Gemeinsam lassen sich Allianzen stärken, die nachhaltige Entscheidungen möglich machen.

…eine neue gemeinsam geschaffene politische Erzählung von Wohlstand und Lebensqualität.

Wir brauchen Geschichten, die Mut machen. Erzählungen, die zeigen, dass ein gutes Leben nicht im Wachsen von Konsum besteht, sondern in der Qualität unserer Beziehungen, unserer Zeit und unserer Teilhabe. Das in diesem Jahr vollendete internationale Forschungsprojekt zu 1,5-Grad-Lebensstilen betont, wie wichtig alternative Narrative sind – solche, die alle Bürger*innen einbeziehen und befähigen, Fehlinformationen entgegenwirken und Nachhaltigkeitskonzepte an lokale Gegebenheiten anpassen (Fuchs et al., 2025).

Das Nachdenken über Wachstum verdeutlicht: Ein „gutes Leben“ kann jenseits materialer Besitztümer liegen. Postwachstumsideen und neue Narrative von Suffizienz, erinnern uns daran, dass Wohlstand nicht dort entsteht, wo sich Konsumgüter anhäufen, sondern dort, wo Menschen Sicherheit, soziale Bindungen, Gemeinschaft und Selbstverwirklichung erfahren. Es stellt sich daher die Frage, was immer mehr Konsum nutzt, wenn wichtige Bedürfnisse immateriell und kaum käuflich sind (Beccarini, 2025; Elstorpff et al., 2025).

Das Forschungsprojekt „Intelligent Pendeln“ verdeutlicht, wie gute Lebensqualität auch mit Blick auf gesunde und ressourcenschonende Mobilität gedacht werden kann. Attraktive Radwege, die das Fahrradfahren zur einfacheren und sicheren Option machen und den Menschen als Teil eines lebendigen Umfelds sehen, wären ein wichtiger Schritt zur Schaffung einer solchen Erzählung von Lebensqualität (Oktay & Kray, 2025).

Wir wünschen uns daher eine politische Erzählung, die Hoffnung gibt, die Menschen befähigt und die den Mut in uns stärkt, Wohlstand im Sinne von Suffizienz, Gemeinschaftlichkeit und Nachhaltigkeit neu zu denken.

…neue gemeinschaftlich entwickelte Rahmenbedingungen, die unter geteilter Verantwortung ein gutes Leben für alle innerhalb planetarer Grenzen ermöglichen.

Für eine lebenswerte Zukunft braucht es nicht nur Engagement, sondern auch starke Regelungen, die gemeinschaftlich entwickelt werden müssen. Ohne verbindliche Rahmenbedingungen rechnet sich Rücksichtnahme auf die Umwelt für Unternehmen und Konsument*innen selten. Unser selbst geschaffener gesellschaftlicher Rahmen muss sich also an die Intensivität und Dringlichkeit ökologischer Krisen, wie der Klimakrise, anpassen und weiterentwickelt werden. Die Geschichte des Umweltrechts zeigt, dass die Gesellschaft sich über den Staat erfolgreich Regelungen geben kann, um neue Gefahren zu meistern (Ehmann, 2025). Demokratische Institutionen, ein starker Rechtsstaat und internationale Abkommen können Sicherheit, Stabilität und lenken Entscheidungen so, dass diejenigen geschützt werden, die sonst auf der Strecke bleiben würden und planetare Grenzen zu respektieren (Beccarini, 2025).

Doch starke Institutionen sind mehr als Gesetze und Strukturen. Sie sind Ausdruck einer Gesellschaft, die Verantwortung teilt und anerkennt, dass Frieden ohne ökologische Grundlagen nicht dauerhaft bestehen kann. Damit Regelwerke tatsächlich wirksam sind, brauchen sie gesellschaftliche Weiterentwicklung und Räume, in denen Konflikte angesprochen, ausgehalten und produktiv gewendet werden können (Ehmann, 2025; Pastoors & Drees, 2025).

Vielleicht zeigen uns all die diesjährigen Veröffentlichungen, dass die wahren Geschenke nicht unter dem Baum liegen, sondern zwischen uns und in der Art, wie wir miteinander leben, sprechen, arbeiten und unsere Zukunft gestalten. Wenn wir etwas aus diesem Jahr mitnehmen, dann die Erkenntnis, dass Veränderung dort beginnt, wo Menschen zusammenkommen, Verantwortung teilen und mutig neue Wege denken. Dieses Weihnachten könnt ihr uns darin unterstützen all diese Ideen und neuen Narrative weiterzutragen, Allianzen zu stärken, Räume des Miteinanders zu schaffen und gerechte Rahmenbedingungen für den Wandel zu schaffen!

Vielen Dank an alle Beitragenden aus diesem ereignisreichen Jahr und vor allem auch an all unsere Leser*innen!

Wir wünschen frohe Weihnachten und freuen uns auf das nächste Jahr mit euch!

Eure ZIN-Blogredaktion

Weiterführende Literatur

Beccarini, A. (2025, 29. Juli). Wachstum, Umwelt und Frieden: Warum wir starke Institutionen für eine nachhaltige Zukunft brauchen. Nach(haltig)gedacht. https://nach-haltig-gedacht.de/2025/07/29/wachstum-umwelt-und-frieden-warum-wir-starke-institutionen-fuer-eine-nachhaltige-zukunft-brauchen/

BUNDjugend. (2018, Dezember). Ich kaufe, also bin ich? – Von der Konsumgesellschaft zum guten Leben für alle [Broschüre]. Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. https://www.bundjugend.de/wp-content/uploads/2024/09/Suffizienz-konsumgesellschaft.pdf

Ehmann, D. (2025, 13. August). „Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden!“ – Zur Konstituierung des modernen Umweltrechts in der jungen Bundesrepublik. Nach(haltig)gedacht. https://nach-haltig-gedacht.de/2025/08/13/der-himmel-ueber-dem-ruhrgebiet-muss-wieder-blau-werden-zur-konstituierung-des-modernen-umweltrechts-in-der-jungen-bundesrepublik/

Elstorpff, F.; Härtner, J. & Hanhoff, L. (2025, 30. Juni). Grenzen, Möglichkeiten, Missverständnisse: Wie wir über Wachstum neu nachdenken müssen. Nach(haltig)gedacht. https://nach-haltig-gedacht.de/2025/06/30/grenzen-moeglichkeiten-missverstaendnisse-wie-wir-ueber-wachstum-neu-nachdenken-muessen/

FOM Hochschule. (2024, November). Weihnachts-Boom: Ausgaben auf Rekordhoch. https://www.fom.de/de/presse/2024/november/weihnachts-boom–ausgaben-auf-rekordhoch.html

Fuchs, D.; Kreinin, H. & Becker, L. (2025, 30. April). 1,5-Grad-Lebensstile erreichen: Warum systematische Veränderungen mit individuellen Maßnahmen einhergehen müssen. Nach(haltig)gedacht. https://nach-haltig-gedacht.de/2025/04/30/15-grad-lebensstile-erreichen-warum-systematische-veraenderungen-mit-individuellen-massnahmen-einhergehen-muessen/

Hoffmann, J. (2025, 24. Oktober). Zugehörigkeit ist mehr als ein Label. Nach(haltig)gedacht. https://nach-haltig-gedacht.de/2025/10/24/zugehoerigkeit-ist-mehr-als-ein-label/

Kannengießer, S. (2025, 30. September). Wie wir digitale Technologien und generative Künstlicher Intelligenz (zumindest etwas) nachhaltiger nutzen können. Nach(haltig)gedacht. https://nach-haltig-gedacht.de/2025/09/30/wie-wir-digitale-technologien-und-generative-kuenstlicher-intelligenz-zumindest-etwas-nachhaltiger-nutzen-koennen/

König, L. & Siegel, K. (2025, 03. Februar). Nachhaltigkeit trifft Demokratie: Der Bürgerrat Ernährung. Nach(haltig)gedacht. https://nach-haltig-gedacht.de/2025/02/03/nachhaltigkeit-trifft-demokratie-der-buergerrat-ernaehrung/

Oktay, S. & Kray, C. (2025, 25. November). Will ich da mit dem Rad lang fahren? – Pendelstrecken finden, die sich gut für das Fahrrad eignen. Nach(haltig)gedacht. https://nach-haltig-gedacht.de/2025/11/25/will-ich-da-mit-dem-rad-lang-fahren-pendelstrecken-finden-die-sich-gut-fuer-das-fahrrad-eignen/

Pastoors, D. & Drees, L. (2025, 18. März). Zukunft schmackhaft machen!. Nach(haltig)gedacht. https://nach-haltig-gedacht.de/2025/03/18/zukunft-schmackhaft-machen/

Sinn, S. (2025, 25. Februar). Planetare Verantwortung als Thema von Religionswissenschaft und Interkultureller Theologie. Nach(haltig)gedacht. https://nach-haltig-gedacht.de/2025/02/25/planetare-verantwortung-als-thema-von-religionswissenschaft-und-interkultureller-theologie/