Im politischen Kontext beschreibt der Begriff „Polarisierung“ eine tiefe und anhaltende Spaltung zwischen politischen Parteien oder Gruppen. Forschungserkenntnissen zufolge entsteht diese Spaltung nicht nur durch die Zunahme inhaltlicher Meinungsverschiedenheiten. Polarisierung kann auch dann existieren, wenn die Gesellschaft mit Blick auf die politischen Positionen gar nicht so sehr gespalten ist. Wissenschaftler*innen sprechen deshalb auch von „affektiver Polarisierung“. Sie entsteht, wenn die eigene politische Zugehörigkeit zu einem wichtigen Teil der eigenen Identität wird und starke negative Gefühle wie Abneigung, Misstrauen oder Feindseligkeit gegenüber Anhänger*innen anderer politischer Gruppen hervorruft. Im Unterschied zu rein inhaltlichen Meinungsverschiedenheiten richtet sich diese Form der Polarisierung vor allem gegen Menschen und nicht nur gegen ihre politischen Positionen.
Affektive Polarisierung kann demokratische Prozesse und den gesellschaftlichen Zusammenhalt erheblich schwächen. Sie fördert Intoleranz und verringert die Bereitschaft zu Kompromissen. Gleichzeitig stärkt sie die emotionale Bindung an die eigene politische Gruppe, sodass Fehlverhalten oder Versagen politischer Akteure eher verziehen oder ignoriert wird. Dadurch wird die politische Kontrolle durch Wahlen geschwächt, und demokratische Regeln und Normen geraten unter Druck.
